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2004/01/01, Great Success in Brussels (German article)

Großer Erfolg in Brüssel - EU-Gelder in Millionenhöhe für exzellente Saar-Wissenschaftler

Um EU-Fördergelder in Höhe von rund 27 Millionen Euro ging es Anfang November bei einem Besuch saarländischer Wissenschaftler in der Landesvertretung in Brüssel. Sie präsentierten vier neue Forschungsprojekte, die sich in der letzten Begutachtungsphase bei der EU-Kommission befanden. Bisher sind aus Mitteln aller bisherigen EU-Forschungsrahmenprogramme 45 saarländische Projekte gefördert worden. Das bedeutet, dass jeder dritte Förderantrag erfolgreich war eine bundesweit überdurchschnittliche Quote.

PD Dr. Thomas Stieglitz stellte in Vertretung von Professor Günter Rolf Fuhr das Projekt CellPROM des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) vor, welches hauptsächlich die Konditionierung von Stammzellen insbesondere für Therapiezwecke beinhaltet und sich dazu nanostrukturierter Oberflächen bedient. Mit Hilfe eines "Bio-Computers" soll es bald möglich sein, Zellen so zu programmieren, dass sie sich z.B. zu bestimmten Gewebezellen weiterentwickeln.

Dass solche Projekte von herausragendem technologischem Interesse sein müssen, ist nur eine Voraussetzung für die Förderung. Bedingungen sind ebenfalls eine Kooperation mit mindestens zwei europäischen Partnern und der Industrie sowie ein unmittelbarer Bezug zur Anwendung. Für Professor Fuhr ein Leichtes: bei CellPROM arbeitet er mit 28 Partnern aus ganz Europa zusammen. Das Projekt wird voraussichtlich mit 17,6 Millionen Euro gefördert.

Ein Lernsystem, das sich auf die Ziele, die Motivation und die Kenntnisse des Lernenden einstellt präsentierte Dr. Erica Melis, Projektleiterin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die das Projekt LeActiveMath koordiniert. Dieses adaptive, intelligente eLearning System für Mathematik wird auch tutorielle Dialoge mit dem Schüler/Studenten führen und neue interaktive Tools einsetzen.

LeActiveMath erhält 4 Millionen Euro. Neun Partner sind beteiligt, darunter die Universitäten Saarbrücken, Edinburgh und Eindhoven.

Professor Uwe Hartmann (Experimentalphysik an der UdS) erläuterte, wie sich mit Hilfe neuer Magnetsensoren, die im Boden versenkt werden, auf Flugvorfeld und Rollbahnen von Flughäfen die Verkehrssicherheit entscheidend verbessern lässt: Sein Projekt nennt sich ISMAEL. Hier arbeiten acht Partner zusammen, darunter die Flughäfen Frankfurt und Thessaloniki. Das Projekt wird mit 2,2 Millionen Euro gefördert.

Das Ziel von TALK schließlich ist, wie Professor Manfred Pinkal (Computerlinguistik an der UdS) schilderte, technische Geräte aller Art zu befähigen, mit dem Menschen in einen flexiblen und adaptiven Dialog zu treten, anstatt nur standardisierte Sprachkommandos entgegenzunehmen. Bei TALK koordiniert Professor Pinkal neun international anerkannte Forschungsteams, darunter das DFKI, und führende Industrieunternehmen wie Bosch und BMW. Er erhält 4,4 Millionen Euro aus Brüssel.

Helmut Scheidgen

 

Der Autor Dr. Helmut Scheidgen war über 25 Jahre Wissenschaftsredakteur des Saarländischen Rundfunks. Nach seinem Ausscheiden hat er eine Agentur für Marketing und Public Relations für Forschung und Hochschulpolitik gegründet. Tel. (0681) 8 91 96 34.

Dass es erfahrungsgemäß schwer ist, auf europäischer Ebene an Fördermittel zu kommen, das bewahrheitet sich auch im Umgang mit der EU-Kommission. Für die Antragstellung muss zunächst eine 15-seitige Kurzfassung vorgelegt werden, und erst wenn sie das Gefallen der Kommission findet, wird der Antragsteller zur Abgabe einer Vollfassung aufgefordert. Bevor dann über Geld gesprochen werden kann, wird geprüft, ob die formalen Voraussetzungen vorliegen: termingerechte Einreichung - so mancher Bewerber soll schon spät abends den Briefkasten der Generaldirektion Forschung aufgesucht haben - Mindestzahl internationaler Partner, Vollständigkeit des Antrags. Da ist es gut zu wissen, dass es in Brüssel die Kontaktstelle Wissenschaft, die KOWI, gibt. Sie ist das Gemeinschaftsbüro der deutschen Wissenschaftseinrichtungen und leistet bereitwillig Hilfestellung im Umgang mit der Kommission. Ebenfalls ansprechbar ist das Brüsseler Büro der Helmholtz-Gesellschaft, auch für Antragsteller aus Universitäten. Schließlich steht in Saarbrücken die Eurice GmbH zur Verfügung, um Antragsteller beim Management der Forschungsprojekte und bei der Antragsstellung zu unterstützen.

So waren denn die Erläuterungen zum Antragsverfahren, die am Nachmittag des Besuches in Brüssel von der Helmholtz-Gesellschaft, der KOWI und der Generaldirektion Forschung selbst gegeben wurden, vor allem für die mitgereisten, erst künftigen Antragsteller äußerst nützlich. Zusätzliche Informationen und persönliches Kennenlernen gab es schließlich wortwörtlich dicht gedrängt bei einem Empfang in den kleinen, aber gastfreundlichen Räumen der saarländischen Vertretung in Brüssel. Dort hatten sich dank guter Kontakte der Vertretung zu den Brüsseler Behörden über 200 Gäste aus der EU-Verwaltung eingefunden.

HS

 

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